Der Freipass

Im Rahmen des Innovation Booster Future Urban Society wurde der Freipass für Ting entwickelt. Der Freipass ist ein spekulatives Artefakt und verkörpert die (finanzielle) Freiheit, die eine Ting-Mitgliedschaft eröffnet. Damit regt er die Diskussion über ein neues Narrativ von Geld und Solidarität an.

Freipass web

Der Freipass ist als gefalteter Flyer gestaltet und erinnert an die alten Führerscheine. Wenn man ihn aufklappt, springen einem die Fragen: «Was würdest du tun, wenn du könntest und was hält dich zurück?» entgegen.

Auf der «Personalseite» wird nicht nach Wohnort gefragt, sondern nach Einkommen und Erbe. Auf der nächsten Doppelseite, dort, wo im Führerschein die Fahrklassen eingetragen oder im Pass Länder abgestempelt sind, erscheinen stattdessen Kategorien wie: Neuorientierung, Aus-/ Weiterbildung, Projekt starten, Firma gründen oder Auszeit nehmen.

Damit macht der Freipass als spekulatives Artefakt sichtbar wie eng die Verknüpfung von Geld und Handlungsfreiheit ist. Hast du das Geld, eine Firma zu gründen? Kannst du den Stempel bei der Auszeit setzen? Und wieso können es die einen, nicht aber die anderen?

Ting ermöglicht einen solchen Freipass, beziehungsweise eine dieser «Reisen».

Freipass web head

Was ist Ting?

Ting ist ein Gemeinschaftskonto. Ting-Mitglieder bezahlen monatlich einen Teil ihres Einkommens ein und schaffen so einen Gemeinschaftstopf. Mitglieder, die ein Vorhaben oder Projekt realisieren möchten, können sich bei Ting bewerben. Wird das Vorhaben unterstützt, kann die betreffende Person während bis zu sechs Monaten Ting-Geld von bis zu 2’500 Franken pro Monat beziehen.

Was ist ein spekulatives Artefakt?

Spekulatives Design ist ein transdisziplinärer Ansatz der Zukunftsforschung. Durch die Gestaltung spekulativer Artefakte werden alternative Gesellschaftsentwürfe exploriert und erfahrbar gemacht. Die Artefakte sind keine Produkte im klassischen Sinn, sondern fungieren als Impulse für kritische Reflexion, öffentliche Debatte und kollektive Vorstellungskraft. Sie stellen Fragen statt Antworten zu liefern. Sie irritieren, verschieben Perspektiven und machen wünschenswerte Zukünfte greifbar.

Narrative prägen unsere Vorstellung von Gegenwart und Zukunft – wer keine Bilder liefert, wird schnell übersehen. Gerade soziale Innovation verfügt häufig über zu wenig greifbare Artefakte und erzählbare Narrative, um in öffentlichen Räumen Resonanz zu erzeugen. Transformation braucht jedoch nicht nur technische oder politische Instrumente, sondern auch kulturelle Hebel. Genau hier setzt der Freipass an: Er ist ein spekulatives Artefakt, das ein neues Narrativ rund um Geld, Freiheit und Solidarität ins Zentrum rückt.

Was probieren wir mit dem Freipass aus?

Wir untersuchen, ob spekulatives Design ein wirksames Instrument sein kann, um soziale Innovation besser zu kommunizieren und zugänglich zu machen. Kann spekulatives Design Diskussionen anstossen, da wo reine Information nicht reicht? Kann ein spekulatives Objekt komplexe gesellschaftliche Fragen greifbarer machen? Der Freipass ist ein Narrativobjekt: ein bewusst ambivalentes, vieldeutiges Artefakt. Er will nicht belehren, sondern irritieren, inspirieren und  zur Auseinandersetzung anregen.

Wenn ihr mehr zum Prozess oder weiteren spekulativen Artefakten erfahren wollt, werft einen Blick in unser Playbook «Thinking the Unthinkable» oder informiert euch hier weiter:

Interessiert an spekulativem Design?

Spekulative Objekte laden ein, Zukünfte nicht nur zu denken, sondern zu erleben – als Ausgangspunkt für Orientierung und gemeinsames Handeln.

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