Für eine nachhaltige Transformation brauchen wir nicht nur Veränderungen im Handeln, sondern auch im Denken. Und für neues Denken braucht es Wissen, Vorstellungskraft und Kreativität. Im Heft «Thinking the Unthinkable» finden sich konkrete Anleitungen, kurze Essays und viele Beispiele, die neue Narrative der Zukunft erkunden. Aber nicht als Theorie, sondern als spielerische Impulse – als «Playbook».
Im Rahmen einer Förderung durch den Innovation Booster Future Urban Society entwickelte Dezentrum ein experimentelles Playbook, das die Vorstellungskraft aktiviert und konkrete Methoden für systemische Transformation bereitstellt.
«Thinking the Unthinkable» ist ein spielerisch gestaltetes Playbook, das Inhalte rund um Imagination und Zukunftsdenken kompakt vermittelt. Das Heft entstand in Verbindung mit der Entwicklung des «Freipass», einem spekulativen Artefakt für Ting.
Vor uns liegt Veränderung
«Die Zukunft wird immer unsicherer» – ein Satz den wir häufiger hören und dem wohl immer mehr Menschen zustimmen würden.
Das zentrale Anliegen des Zine ist es, die weit verbreitete Annahme «there is no alternative» zu hinterfragen. In einleitenden Essays wird argumentiert, dass der Kapitalismus seine Wirkungsmacht nicht nur durch ökonomischen Mechanismen entfaltet, sondern vor allem durch tief verankerte mentale Modelle und dominante Narrative, die den Eindruck erwecken, es gebe nur eine mögliche Zukunft. Das Playbook zeigt auf, warum wir statt über«Zukunft» über «Zukünfte» sprechen sollten. Denn nur wenn wir uns alternative Entwicklungen vorstellen können, bleiben wir als Gesellschaft, gerade in Zeiten multipler Krisen, handlungsfähig.
Die Zukunft in unterschiedlichen Szenarien zu denken, ist jedoch anspruchsvoll. Das Dezentrum greift deswegen auf einen bunten Strauss an Methoden zurück, um gemeinsam mit Partnerorganisationen mehr Imagination in die Auseinandersetzung mit komplexen Themen zu bringen.
Fragen, Wissen und Methoden
Der Abschnitt «Was ist dein Problem?» führt Leser:innen mit einer einfachen, aber wirkungsvollen Frage an ihr Projekt und dessen Zielsetzung heran. Darauf aufbauend folgen gezielte Anleitungen, um die Entstehungsbedingungen eines Problems zu identifizieren: Megatrends, gesetzliche Rahmenbedingungen oder gesellschaftliche Wertvorstellungen. Anschliessend werden positive und negative Entwicklungen für die nächsten zehn Jahre skizziert. Diese strukturierte Vorgehensweise bietet eine kompakte Einführung in die Szenario‑Technik, eine Methode, die sonst häufig nur in akademischen oder strategischen Kontexten zur Anwendung kommt.
Spekulative Artefakte aus der Zukunft
Darüber hinaus stellt das Playbook verschiedene spekulative Artefakte vor. Jedes Artefakt ist ein fiktives Objekt aus einer möglichen Zukunft, das irritiert und bewusst Fragen aufwirft. Es fungiert nicht nur als Gesprächsstarter, sondern auch als Kommunikationswerkzeug für Organisationen, die neue Narrative etablieren wollen.
Der Freipass etwa steht für ein solidarisches Finanzsystem, in dem Geld kein exklusives Privileg mehr ist. no1s1 repräsentiert ein autonomes, blockchain‑basiertes Haus, das Eigentum und Governance neu definiert. Weitere Beispiele wie Obliviscis (eine Pille, die temporär das Ich auflöst) oder Satelleth (autonome, rechtlich ungeklärte Satelliten) verdeutlichen, wie materielle Formen gesellschaftliche Debatten anstossen können und wie spekulatives Design dazu beiträgt, abstrakte Zukunftsfragen diskutierbar zu machen.
Im Rahmen des Innovation Booster Future Urban Society wurde der Freipass für Ting entwickelt. Der Freipass ist ein spekulatives Artefakt und verkörpert die (finanzielle) Freiheit, die eine Ting-Mitgliedschaft eröffnet. Damit regt er die Diskussion über ein neues Narrativ von Geld und Solidarität an.
Im Rahmen ihrer 50. Ausgabe wagten die Winterthurer Musikfestwochen den Blick nach vorn: In einem Zukunftslabor entwickelten wir mit den Teilnehmenden spekulative Objekte aus dem Jahr 2050. Die Ergebnisse zeigen: Die Zukunft des Festivals soll gemeinschaftlich, nachhaltig und menschzentriert gestaltet werden.
Neue Technologien ermöglichen uns, anders über Eigentum, öffentlichen Raum und kollektive Güter nachzudenken. Mit no1s1 (no one’s one) übergeben wir die Verwaltung eines Hauses an einen Blockchain-basierten Smart Contract. Auf diese Weise kann no1s1 selber über seine Nutzung entscheiden und sich autonom instand halten.